Juli 4th, 2011
Eigentlich sei die Lektüre Hartmut von Hentigs “Ach, die Werte!” im großen Rahmen weiterzuempfehlen - und eben dies leisten unsere Medien nicht; selbst die überregionalen und als noch relativ seriös angesehenen Tageszeitungen nicht… wie erreichte man deren Publikum? Dem allgemeinen Bildungsverfall entgegenzuwirken zu versuchen, ist schon beinahe vergeblich; forciert wird die Ablehnung von Bildungsinhalten aber nicht nur von den “üblichen Verdächtigen” Gruppierungen - letztlich sind es Bildungspolitiker, Pädagogen, ja Schulbuchverlage und selbst die Fachleute der Wissensvermittlung selbst, die die Beschäftigung mit dem statischen Objekt, dessen Beschau durchaus Grundlagenverständnis für die Funktionsweise geheimnisvoll erscheinender Dinge erwecken könnte, ablehnen, um lieber aktionistisch irgendwelche Illuminationen zu veranstalten.
http://www.transcript-verlag.de/ts253/ts253.php
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Juni 30th, 2011
Eigentlich habe ich “immer schon” (d.h. etwa seit dem Alter meiner Einschulung) sehr gern Museen besichtigt, um mich in der Betrachtung der ausgestellten Stadt-, Gebäude- und Schnittmodelle zu üben - all diese Dinge zeigten wesentliche Aspekte des Wirtschaftslebens vergangener Zeiten und außer Gebrauch gekommene Arbeiten, Tätigkeiten, Handwerke und oftmals in ihrem gesamten Arbeitsumfeld (etwa einer Werft oder einer Druckerei, so daß sich an ihnen, ähnlich wie in den Illustrationen zur Enzyklopädie Diderots und d’Alemberts auch die Arbeitsschritte der Produktion wichtiger, dringend benötigter und arbeitserleichternder Güter und Gerätschaften ablesen ließen.
Leider orientieren sich die Ausstellungsgestaltung und die Museumspädagogik immer weniger am Objekt selbst - der Einführungsfilm hat die Betrachtung des Exponates fast schon abgelöst oder ersetzt. Es gibt nicht wenige Museen, die verstehen sich als Simulationsraum alter Handwerke und haben die Präsentation erhaltener originaler Relikte, die “sinnlos geworden”, und mit “nicht berühren”-Schild ausgestellt waren, durch Rekonstruktionen ersetzt, an denen der Besucher aufgefordert ist, einmal die arbeitstypische Handbewegung auszuführen… leider vermittelt diese der “Aktivität” und des Vergnügens geschuldete Kurbelei keine Vorstellung von den Arbeits- und Lebensbedingungen der vor- und frühindustriellen Zeit…
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Juni 29th, 2011
In historischen Museen ist Spielzeugen als Aspekt des Alltagslebens früherer Generationen meist nur ein Nischendasein vorbehalten; bisweilen findet sich ein weihnachtlich geschmücktes Zimmer, um den Anblick von Spielzeug im Wohnumfeld stimmig vorzuführen, in volkskundlichen Museen nimmt Spielzeug vielleicht einen kleinen Teil der Dauerausstellung in mehreren Schauvitrinen ein, wobei gern “selbstgebasteltes” gezeigt wird, und die Dokumentation sich darauf beschränkt, eher an vorindustrielle Gewohnheiten, Gefundenes oder als wertlos überlassenes zum Spielen zu nutzen. Eher verschämt ist dann am Rande dieser Darstellung “der Kindheit” eine Vitrine mit nicht zusammenpassendem aus der Ära des Blechspielzeugs platziert, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Knabenspielzeug meist der frühen Gewöhnung an militärische Tätigkeiten, Hierarchien und Karrieren gedient haben soll…
Spezialisierte Spielzeugmuseen (das Deutsche Spielemuseum in Chemnitz beispielsweise) fungieren neben hauptsächlich als Archiv alter Spielpläne und Kartenspiele. Natürlich gibt es auch Puppenhausmuseen (hervorzuheben sind sicher dasjenige in Soltau und das in Hamburg-Falkenstein) und eher nostalgiebetonte Sammlungen (Trier, Nürnberg). Auch im virtuellen Raum sind Privatsammlungen zu finden, die immerhin die Grundlagen des Sammelgebietes verständlich machen und anhand zahlreicher Fotos einen netten Überblick über die historischen Zusammenhänge der verkleinerten Reproduktion des Alltags bieten.
http://www.puppenhausmuseum.de/index.html
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Juni 29th, 2011
… hatte aber seit geraumer Zeit schon vor, mich einmal als Blogger zu versuchen. Die Themengebiete, die mich interessieren, sind zahlreich, insofern fällt es mir jetzt nicht leicht, einen passenden Anfang zu finden - der Blogtitel deutet immerhin darauf hin, dass die kulturanthropologischen Thesen eines Johan Huizinga nicht fremd sind, und dass ich trotz Erreichen eines gesetzteren Alters auch das Spiel und die Betrachtung von Spielzeug nicht als nutzlos ansehe.
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August 8th, 2006
… sind sicher die wichtigsten Inspirationsquellen meines Denkens. An der Universität Siegen hat eine Frau Dr. Christiane Holm eben den Einfluß von Souvenirs auf die rückblickende Wahrnehmung untersucht, die noch längst nicht umfassend dokumentiert ist und auch in Museumsausstellung bestenfalls oberflächlich gestreift wird.
Betrachtet man, wie Museen in jüngster Zeit den Blick auf zurücklegende Epochen und Lebensmilieus inszenieren, sehe ich da einen erheblichen Nachholbedarf.
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